Sind die deutschen Goldreserven verbraucht?

10.11.2011 Lesedauer: 3 min bereits 33821 Leser

Eines der Hauptthemen in den deutschen Zeitungen ist die Diskussion um die deutschen Goldreserven, allen voran titelt „Die Welt“: Das große Ringen um Deutschlands Gold. Wenn man den offiziellen Medien glaubt, wehrt sich die Deutsche Bundesbank – aus gutem Grund – derzeit mit Händen und Füßen gegen die Bestrebungen einiger Juristen der EZB, die Währungsreserven in einem Fonds bündeln zu lassen, damit dieser den Euro-Rettungsfonds EFSF stärkt. Nur das Problem dabei ist, dass das Deutsche Gold – was nur Wenige wissen – sich nicht in Deutschland befindet. Es wird nämlich zum größten Teil in den Kellern der Federal Reserve Bank (FED) in New York, mit anderen Worten, unter dem Straßenpflaster von Manhattan gelagert und nicht, wie man annehmen sollte, in Fort Knox.
Die Lagerung des deutschen Goldes ist ein kleines Staatsgeheimnis, welches von Bundesbank und Bundesregierung gleichermaßen unter Verschluss gehalten wird. Bundeswirtschaftsminister Rösler erklärte, dass die deutschen Goldreserven unantastbar bleiben müssten, womit er recht hat – sie sind unantastbar – auf jeden Fall für Deutschland!
Da Gold nie Pleite gehen kann, ist Gold die letzte Reserve im Ernstfall, aber nur, wenn es nicht verliehen wurde bzw. im eigenen Tresor liegt. In einem Worst-Case-Scenario, bzw. bei schweren Wirtschafts- und Währungsturbulenzen, bringen die ca. 3.440 Tonnen des deutschen Goldes nur dann Rettung, wenn sie hierzulande zur Verfügung stehen.
Hintergrund ist der berühmt berüchtigte „Blessing Brief“, der im Detail nie veröffentlicht wurde – und das aus gutem Grund. Karl Blessing war von 1958 bis Anfang 1970 Bundesbankpräsident. Er musste damals der US-Notenbank die „Immobilisierung“ der deutschen Goldreserven zusichern. K. Blessing versprach, dass die Bundesbank das Gold nicht aus den USA abziehen werde, solange diese Stützpunkte in Deutschland unterhält. In einem Interview aus dem Jahre 1971 im „Spiegel“ erklärte Blessing kurz vor seinem Tod: „Der Brief gilt leider noch heute.“ Und auch im Jahr 2011 ist der Blessing Brief noch verbindlich.
Mittlerweile ist durchgesickert, dass Mitglieder des Bundeskabinetts unter vorgehaltener Hand in der Vergangenheit verrieten, dass das Gold von den Amerikanern als eine Art Pfand für deutsches Wohlverhalten betrachtet wird. Seit Jahren werden die Ersuchen der Bundesregierung um Rückführung von Teilen des bei der FED eingelagerten Goldes empört abgelehnt. Bedenklich in diesem Zusammenhang ist allerdings, dass das amerikanische Schatzamt seit mehr als 5 Jahrzehnten keine Überprüfung der bei der FED eingelagerten fremden Goldbestände mehr zugelassen hat.
In Kenner-Kreisen ist man zu der Auffassung gekommen, dass große Teile des deutschen Goldes höchstwahrscheinlich längst verkauft wurden.
Wie viel Gold sich tatsächlich noch in deutschen Tresoren befindet, formulierte David Marsh, ehemaliger Korrespondent der Financial Times, profilierter Bundesbankkenner und Autor des Buchs „Die Bundesbank – Geschäfte mit der Macht“, dass in Branchenkreisen als Standardwerk gilt, im Jahr 1992 so: „Im Interesse guter Beziehungen zur internationalen Finanzwelt (hiermit konnte er nur den amerikanischen Teil der Finanzwelt meinen) werden die großen Mengen von Goldbarren wahrscheinlich bleiben, wo sie sind.“ Laut seiner Schätzung liegen nur 80 Tonnen Gold, dies entspricht gerade mal 2 % der gesamten deutschen Goldreserve, in Frankfurt.
Ein weiser Mann sagte mir mal vor längerer Zeit: „Junge, die meisten Menschen hören nur zu und nicht hin!“ was ich mir seitdem zu Herzen genommen habe. Hätten die Zuschauer der Sendung „Scheibenwischer“ vom 17.04.2008 hingehört, dann hätten sie verstanden, was die Kabarettisten damit meinten, als der eine zum anderen im Hinblick auf die damalig beginnende Finanzkrise sagte: „Zum Glück haben wir ja noch unsere Goldreserven bei der Bundesbank!“ Woraufhin der andere erwiderte, dass es schön wäre, wenn wir sie noch hätten, denn sie lägen in New York unter dem Straßenpflaster.
Beste Grüße
Heiko Schrang
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P.S.: Ich erhebe keinen Anspruch auf Absolutheit für den Inhalt, da er lediglich meine subjektive Betrachtungsweise wiedergibt und jeder sich seinen Teil daraus herausziehen kann, um dies mit seinem Weltbild abzugleichen. Weitere Anregungen auch in unserem Newsletterarchiv unter www.macht-steuert-wissen.de
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